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  • AutorenbildMatti Geyer

10 verschwundene Orte in Berlin und Potsdam, die wieder aufgebaut werden sollten

Aktualisiert: 15. Apr.

Berlin und in geringerem Maße auch Potsdam wurden im 2. Weltkrieg stark zerstört. Damit nicht genug: Nach dem Krieg fielen beide Stadtplanungen zum Opfer, die breite Straßen, riesige Plätze, Plattenbauten und moderne Architektur einem Wideraufbau historischer Bauten vorzog. Während Potsdam inzwischen einen Wiederaufbau der Altstadt rund um den Alten Markt vorantreibt, fehlen Berlin noch immer viele historische Gebäude und ganze Viertel. Inzwischen gibt es aber Vereine, die sich für einen Wiederaufbau stark machen. In diesem Blog stelle ich zehn verschwundene Orte vor, die rekonstruiert werden sollten.



Zeno.org, ID number 20004023463 

Schinkel's Bauakademie

Die Bauakademie wurde zwischen 1832 und 1836 errichtet und galt als revolutionär für das 19. Jahrhundert. Sie wurde von Karl Friedrich Schinkel entworfen und war ein bedeutendes Zentrum für Architekturlehre und -praxis. Nach dem Tod Schinkels wurden Teile des Gebäudes für ein Museum seiner Werke genutzt. Nach schweren Kriegsschäden und politischen Veränderungen wurde das Gebäude abgerissen, was zu langwierigen Diskussionen über Rekonstruktion oder Neugestaltung führte. Schließlich beschloss der Deutsche Bundestag 2016 die Rekonstruktion und finanzierte das Projekt mit 62 Millionen Euro. Die rekonstruierte Bauakademie soll ein Architekturmuseum werden. Derzeit ist jedoch nicht klar, ob die historische Fassade wiederkommt, oder eine moderne Version gebaut wird. Ein Verein setzt sich für einen originalgetreuen Wiederaufbau ein.



Bundesarchiv, Bild 170-160 / Max Baur / CC-BY-SA 3.0

Potsdamer Stadtkanal

Der Stadtkanal in Potsdam wurde im Jahr 1673 als Entwässerungsgraben zur Havel angelegt und später ab 1722 unter Friedrich Wilhelm I. nach holländischem Vorbild ausgebaut. Nach seiner Zuschüttung in den Jahren 1962 bis 1965 begannen seit 1999 Bemühungen zur Rekonstruktion und Freilegung einzelner Abschnitte. Die Wiederherstellung des gesamten Kanals ist ein langfristiges Ziel, das teilweise durch Spenden und Unterstützung von Organisationen wie dem Bauverein Potsdamer Stadtkanal 1722 e.V. verfolgt wird. Unter dem Oberbürgermeister Mike Schubert wurden verstärkte Bemühungen unternommen, die Potsdamer Bürgerschaft zur Teilnahme an diesem Projekt zu motivieren, und im Februar 2020 kündigte der Mäzen Hasso Plattner seine Unterstützung für den Wiederaufbau des Stadtkanals an.



Circus Busch

Der Circus Busch war ein renommierter deutscher Zirkus. Bekannt für seine festen Zirkusbauten, darunter das Stammhaus in Berlin-Mitte mit 4.300 Sitzplätzen, erlangte der Circus Busch weltweite Bekanntheit, selbst Houdini trat hier auf. Nach dem von den Nationalsozialisten beauftragten Abriss des Berliner Gebäudes 1937 und dem Scheitern einer Neuplanung in Berlin in den 1940er Jahren, versuchte Paula Busch den Zirkus nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufzubauen. Heute befindet sich hier der beliebte James-Simon-Park. Ein Wiederaufbau ist nicht angedacht.



Die Neue Synagoge

Die Neue Synagoge in Berlin wurde in den 1850er Jahren aufgrund des starken Wachstums der jüdischen Gemeinde in der Stadt geplant. Der renommierte Architekt Eduard Knoblauch entwarf das Gebäude im orientalisierenden Stil, inspiriert von der Alhambra in Granada. Nach Verzögerungen und einem Wechsel des Bauleiters wurde die Synagoge schließlich im September 1866 eingeweiht. Sie galt als architektonisches Meisterwerk und beeindruckte durch ihre aufwändige Gestaltung und technische Innovationen wie die erste elektrische Beleuchtung in Berlin. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Synagoge beschädigt, überlebte jedoch die Pogromnacht von 1938 dank mutigen Eingreifens des Polizeireviersvorstehers Wilhelm Krützfeld. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie jedoch stark beschädigt und anschließend teilweise abgerissen. Während der vordere Kuppelbau wieder aufgebaut wurde, fehlt der eigentliche Gebetsraum noch immer. Eine Rekonstruktion ist nicht geplant, obwohl sie ein starkes Zeichen für jüdisches Leben im heutigen Berlin wäre.



Karstadt Hermannplatz

Das Karstadt am Hermannplatz ist ein denkmalgeschütztes Warenhaus im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Es wurde zwischen 1927 und 1929 von Philipp Schaefer im Expressionismus-Stil erbaut und galt damals als das größte und modernste Warenhaus Europas. Mit einer Fläche von 72.000 m² und modernen Einrichtungen wie Rolltreppen, Aufzügen und direkter U-Bahn-Anbindung war es ein beliebtes Ziel für Besucher. Im April 1945 wurde das Warenhaus von SS-Truppen gesprengt, überlebte jedoch teilweise. Der schlichtere Wiederaufbau erfolgte ab 1951, jedoch nur bis zum dritten Obergeschoss. 2019 kündigten Eigentümer Signa an, die ursprüngliche Bauhöhe und Fassadenansicht wiederherstellen zu wollen, was nach deren Pleite wieder unwahrscheinlich geworden ist. Der Berliner Senat unterstütz den Wiederaufbau.



Molkenmarkt

Der Molkenmarkt, einst der älteste Platz Berlins, wurde seit den 1960er Jahren hauptsächlich als Verkehrsknotenpunkt und Parkplatz genutzt. Der Platz soll nun neu gestaltet werden, wobei einige Initiativen und Politiker eine Anlehnung an den historischen Grundriss und die altstädtische Architektur fordern. Der Senat beschloss im April 2016 die Wiederherstellung des Bebauungsplans, und archäologische Grabungen seit 2019 haben wichtige Erkenntnisse zur Geschichte des Platzes geliefert. Die Planung sieht vor, die Grunerstraße zurückzubauen und den Platz sowie das Quartier in Anlehnung an die ursprüngliche Geometrie zu bebauen. Ob es alte oder neue Architektur geben wird, steht noch nicht fest.



Bundesarchiv, B 145 Bild-P063067 / CC-BY-SA 3.0

Großer Jüdenhof

Der Große Jüdenhof in Alt-Berlin war eine mittelalterliche Wohnanlage, die im 13. Jahrhundert von jüdischen Familien nahe des Molkenmarktes errichtet wurde. Nach der ersten Judenvertreibung im 16. Jahrhundert wurden einige der einfachen Häuser durch Neubauten ersetzt, die von christlichen Handwerkern genutzt wurden. Das Ensemble überstand den Zweiten Weltkrieg nicht und wurde in den 1960er Jahren zu einem Parkplatz planiert. Im Zuge des Wiederaufbaus des Molkenmarkts, könnte auch der Jüdenhof wieder entstehen. Eine prominente Stiftung setzt sich dafür ein.



Anhalter Bahnhof

Der Anhalter Bahnhof in Berlin war ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, der während des Deutschen Kaiserreichs erbaut wurde. Er wurde von Franz Schwechten entworfen und war für seine imposante Bahnhofshalle bekannt. Während der Weimarer Republik erlebte der Bahnhof eine Blütezeit im Luxusreiseverkehr, während des Nationalsozialismus wurde er für Judendeportationen genutzt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Bahnhof schwere Schäden und wurde später teilweise abgerissen. Heute stehen nur noch Ruinen des Bahnhofs, aber Pläne für den Bau eines Exilmuseums am Standort des Bahnhofs sind in Arbeit.



Schloss Monbijou

Das Schloss Monbijou, einst ein Schmuckstück der Hohenzollern in Berlin-Mitte, wurde 1703 als Lusthaus im Spätbarockstil erbaut. Es wurde im Laufe der Zeit erweitert und beherbergte bedeutende kulturelle Ereignisse wie die Uraufführung von Goethes Faust im Jahr 1820. Später wurde es zum Hohenzollernmuseum, das die Geschichte der Dynastie feierte. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Schloss 1959 auf Beschluss des SED-Magistrats abgerissen. Heute befindet sich an seiner Stelle der sehr beliebte Monbijoupark, doch eine Bürgerinitiative setzt sich für den Wiederaufbau des Torbaus ein.



Spittelmarkt

Der Spittelmarkt, einst ein ruhiger Ort vor dem Gertraudentor, entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einem Marktplatz zwischen Fischerinsel und Leipziger Straße. Benannt nach dem Gertraudenhospital, hieß er später Spittelmarkt. Im 19. Jahrhundert wurde er stark bebaut und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde das Gebiet um den Markt neu aufgebaut, wobei die umliegenden Straßen abgeriegelt wurden. In den 1990er und 2000er Jahren wurden weitere Neubauten errichtet, darunter ein 20-geschossiges Bürohochhaus. Umbaupläne sehen einen Rückbau der Straßenbreite und eine Wiederherstellung des historischen Raumgefühls vor, um den Platz als Stadtplatz an historischem Ort neu entstehen zu lassen. Die Umsetzung dieser Pläne ist jedoch noch ungewiss, historische Bauten sind nicht geplant.


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